wirtschaftspanorama.de 21.04.  2014
 
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Die Welt (welt)
Frankfurter Allgemeine (faz)
Frankfurter Rundschau (fr)
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Die Themen vom 15.09.2005
DEUTSCHLAND
Perverse Kartellbrüder
Müller-Interview
Arbeitsmarktpolitik
Zinsquellensteuer
Wirtschaftspolitik
Gas- und Strommarkt
Automobilindustrie
Finanzministerkandidaten
Rentenpolitik
Phantomliste
EUROPA
Steuerreform
Erfreuliche Pleite
Öl- und Benzinpreise
WELT
UN-Gipfel
Reichtum der Nationen
WTO-Handelsrunde
Rohstoffpreise
Zinsniveau
DEUTSCHLAND
Perverse Kartellbrüder

(faz) Rainer Brüderle, stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, analysiert in einem Meinungsbeitrag den "perversen" Kreislauf aus Lohn- und Arbeitsmarktpolitik, in dem Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände ihre Interessen zu Lasten der Allgemeinheit verfolgten. "Die Kartellierung der Gesellschaft ist offenbar schon weit vorangeschritten. Ein schönes Beispiel dafür ist der mit milliardenschweren Beitragsgeldern der Bundesagentur für Arbeit (BA) organisierte Weiterbildungsmarkt. In der Bundesagentur haben Gewerkschaftsvertreter gemeinsam mit Vertretern der Arbeitgeberverbände die Mehrheit im Verwaltungsrat. Das mag einen Hinweis geben, warum die größten Zuwendungsempfänger der BA gewerkschafts- und arbeitgebernahe Weiterbildungseinrichtungen sind. Das zeigt auch, wie pervers die zentralisierte Lohnfindung in Deutschland ist. Die "Kartellbrüder" vereinbaren zu hohe Lohnabschlüsse, die den Arbeitsmarkt-Insidern scheinbar nutzen. In Wirklichkeit tragen sie über hohe Sozialbeiträge die verfehlte Lohnpolitik mit. Die hohen Lohnkosten wiederum sind ein Einstellungshemmnis für Arbeitsmarkt-Outsider. Sie werden in Weiterbildungsmaßnahmen verschoben, von denen die größten Profiteure die Kartellbrüder der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände sind. Die volkswirtschaftlichen Kosten der Fehlsteuerung des Tarifkartells werden auf die Allgemeinheit in Form von höheren Steuern und höheren Sozialbeiträgen abgewälzt." (Seite 16)

Müller-Interview

(fr)   Saarlands Ministerpräsident Peter Müller, im so genannten Kompetenzteam der Union für Wirtschaft und Arbeit zuständig, erklärt in einem Interview, was Gewerkschaften und die Union gemeinsam haben. "Gewerkschaften und Union vertreten das Prinzip der Sozialpartnerschaft. Beide sind für die Tarifautonomie. Beide treten ein für die soziale Marktwirtschaft - allerdings mit durchaus unterschiedlichen Vorstellungen über die Ausgestaltung im Einzelnen."

Arbeitsmarktpolitik

(fr)   Hartmut Seifert, Leiter des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans Böckler-Stiftung, argumentiert in einem Debattenbeitrag für höhere Löhne und eine expansive Geld- und Finanzpolitik, die "dem Arbeitsmarkt mehr Schub geben" würden "als das Schleifen von Regeln". Flexibilität und damit verbundene Kostensenkungen in den Unternehmen seien in den vergangenen Jahren ausreichend ermöglicht worden, so der Volkswirt. Allerdings zu Lasten der Binnennachfrage: "Die massiven Kostensenkungen der letzten Jahre spiegeln sich in einem boomenden Export. Deutschland ist das einzige der führenden Industrieländer, das Weltmarktanteile dazu gewinnen konnte. Die verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit musste jedoch mit einer lahmenden Binnenkonjunktur bezahlt werden. Was auf der einen Seite Kosten senkt, entzieht auf der anderen Seite Kaufkraft, dämpft die Binnennachfrage und belastet die sozialen Sicherungssysteme."
Zinsquellensteuer

(sz) Die neue Zinsquellensteuer halte die Anleger aus der EU nicht davon ab, ihr Geld in die Schweiz zu bringen. Sie habe nach Beobachtung des Bankenverbands Swiss Banking kaum Einfluss auf das Geschäft mit Privatinvestoren. Seit Juli müssen Bürger aus den EU-Ländern alle Zinserträge, die sie in der Schweiz erhalten, mit einer Quellensteuer von zunächst 15 Prozent versteuern. Die EU-Finanzminister werden dem Beitrag zufolge nach Schätzung der Schweizer Banker allerdings nicht allzu viel Geld erhalten. Die Kreditinstitute hätten Produkte entwickelt, mit denen die ausländischen Anleger die Zinssteuer legal umgehen könnten. (Seite 20)

Wirtschaftspolitik

(sz) Auf der Seite 22 zieht die Zeitung in mehreren Beiträgen Bilanz nach drei Jahren rot-grüner Wirtschaftspolitik. Ein eindeutiges Urteil sei kaum zu fällen, "auch unabhängige Experten äußern sich durchaus unterschiedlich", heißt es im Vorspann. Die Themen: Rente, Arbeitsmarkt, Steuern, Haushalt, Gesundheit, Rahmenregeln und Umwelt, Energie. Die Artikel schildern chronologisch die Entwicklung im jeweiligen Sektor und verzichten weitgehend auf Kommentare. (Seite 22)

Gas- und Strommarkt

(fr)   Im Fall eines Wahlsiegs wolle Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel als eine ihrer ersten Amtshandlungen einen "'Energie-Gipfel'" einberufen. "In einem 'Dreieck', so formulierte die CDU-Chefin etwas kompliziert, solle diskutiert werden, wie man 'Energiepolitik weiter entwickeln' könne. Als die entsprechenden Eckpunkte nannte sie 'Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit'. Notwendig sei ein 'Energiemix'; es gelte 'Abhängigkeiten abzubauen', und - ganz aktuell - auch über die Bindung der Gaspreise an jene (derzeit zu hohen) für Erdöl müsse gesprochen werden. (...) Insbesondere die Strompreise in Deutschland seien im internationalen Vergleich zu hoch, notwendig seien Tarife, die 'im europäischen Maßstab vergleichbar sind', betonte die Kandidatin." "
(faz)   Die Zeitung meldet unterdessen: "Nach den Hamburger Aluminium Werken (HAW) hat nun auch der amerikanische Chemiekonzern Dow bei der Bundesnetzagentur einen Antrag auf einen Stromrabatt gestellt. Nach dem neuen Energiewirtschaftsgesetz können Unternehmen einen Antrag auf Absenkung der Durchleitungsgebühren stellen, die der Netzbetreiber für den Transport des Stromes vom Kraftwerk zum Standort des Unternehmens berechnet." (Seite 15)
Axel Ockenfels, Professor an der Universität zu Köln und Direktor des Energiewirtschaftlichen Instituts (EWI), bestreitet auch ein Interview zum Stromarkt in einer allgemeinbildenden Tageszeitung im typischen Ökonomenvokabular.
"FRAGE: Die Strompreise steigen stetig. Sind die Gesetze des Wettbewerbs auf dem Strommarkt außer Kraft gesetzt? ANTWORT: Nein, steigende Preise sind kein Indiz für Marktversagen. Bei relativ unelastischer Nachfrage, wie man sie auf Strommärkten vorfindet, determinieren in einem funktionierenden Markt vor allen Dingen die variablen Kosten den Preis. Da diese auf Strommärkten ständig in Bewegung sind, gilt dies auch für den Preis. Zudem sollten aufgrund der stark schwankenden Nachfrage Preisspitzen, wie wir sie auf den Strommärkten beobachten, auch in einem perfekten Strommarkt auftreten und müssen nicht unbedingt das Resultat von Marktmacht sein." (Seite 15)
(taz)   Utz Claasen, Vorstandsvorsitzender der EnBW, Energie Baden-Württemberg AG - hinter Eon, RWE und Vattenfall der viertgrößte Energiekonzern Deutschlands, gibt sich da schon volksnäher. In einem Gespräch mit der taz äußert er sich zum Klimaschutz und natürlich zum Strompreis: "Der Strompreis ist das Ergebnis von Marktmechanismen - und nicht von Verhandlungen zwischen Wirtschaft und Politik. Ein großer Teil der Preisentwicklung ist global geprägt: Die Rohstoffe werden einfach teurer. Zudem sind etwa 40 Prozent der privaten Stromrechnung Netzkosten, 40 Prozent staatlich verursachte Lasten, der Rest Kosten für Erzeugung und Vertrieb. Wer den Strompreis senken will, muss also erstens die staatlichen Abgaben und Lasten senken. Zweitens muss er mehr Wettbewerb in den Netzen organisieren, was ja auch durch das neue Energiewirtschaftsgesetz initiiert werden soll."
Automobilindustrie

(fr)   Ein Beitrag würdigt die zunehmende gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Autoindustrie in Deutschland. "Vor zehn Jahren steuerte die Branche noch rund zwölf Prozent zum gesamten Umsatz der Industrie bei, in der vorigen Periode waren es bereits 18,6 Prozent." Die Branche bestreite ein Fünftel des Exports und sorge für jeden siebten Arbeitsplatz in der Industrie.

Finanzministerkandidaten

(faz) "Die Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel hat zu erkennen gegeben, dass sie bereit wäre, nach einem Wahlsieg mit dem CDU-Finanzpolitiker Merz zusammenzuarbeiten. "Angesichts der Lage unseres Landes bin ich froh über jeden und jede, die bereit sind mitzumachen", sagte Frau Merkel am Mittwoch in Berlin nach einer Sitzung ihres so genannten Kompetenzteams. Sie hielt aber an ihrer Absicht fest, den ehemaligen Verfassungsrichter Kirchhof zum Finanzminister zu berufen, sollte sie Bundeskanzlerin werden." (Seite 1)
(sz) "Beförderung von Merz zweifelhaft", schlagzeilt die SZ. "Bislang deutet nichts auf eine Verständigung des CDU-Finanzexperten mit Merkel hin." (Seite 10) Anders als die FAZ hat die Zeitung auch keine Bekundungen von Frau Merkel vernommen, an Paul Kirchhof als möglichen Finanzminister festzuhalten. "Angela Merkel hat vier Tage vor der Wahl keinen überzeugenden Kandidaten für das Finanzressort. Sie bestätigt plötzlich nicht mehr, dass Paul Kirchof auf jeden Fall Minister werden soll, und sie bekennt sich auch nicht eindeutig zu Friedrich Merz. Am Ende könnte passieren, dass keiner von beiden aufs Tandem steigt. Das gefiele der FDP am besten", schlussfolgert ein Kommentar. (Seite 4)
(taz)   "Was muss das für ein Triumphgefühl für Friedrich Merz sein", beginnt ein Beitrag über die Neuzugänge im "Kompetenzteam" der Union.
In einem weiteren Bericht hält das Blatt fest: "Friedrich Merz ist wieder da. Nachdem Paul Kirchhof in der CDU zunehmend auf Kritik stößt, zaubert Angela Merkel ihren alten Partei-Feind wieder aus dem Hut - den Urheber der Bierdeckel-Steuererklärung. Die politische Vorstellungen des Wirtschafts- und Finanzpolitikers Merz sind allerdings keineswegs sozialverträglicher als die von Paul Kirchhof."

Rentenpolitik

(faz)   Der Leitartikel kritisiert das Schweigen der Parteien zum Thema Rente: "Zum zweiten Mal nacheinander findet ein Bundestagswahlkampf statt, in dem die Rentenpolitik - von vereinzelten Scharmützeln abgesehen - keine Rolle mehr spielt. Das ist bemerkenswert, sind doch die ersten geburtenstarken Jahrgänge nur noch anderthalb Dekaden vom Rentenalter entfernt. Damit ist die Zeit überschaubar, in der das von der hohen Arbeitslosigkeit destabilisierte umlagefinanzierte Rentensystem auf die noch härtere Belastungsprobe durch die demographischen Verschiebungen vorbereitet werden kann." In diesem Wahlkampf hätten alle Parteien die Chance vertan, sich dem Bürger in der Rentenpolitik zu empfehlen.
Phantomliste

(faz) "Die Sparvorbereitungen im Bundesfinanzministerium sind wesentlich weiter gegangen, als bisher bekannt geworden ist. Nach Informationen dieser Zeitung hat das Generalreferat für die Haushaltsaufstellung den Fachleuten im Ministerium vorgegeben, Konsolidierungsvorschläge von 30 Milliarden Euro auszuarbeiten, vom Jahr 2006 an durchgängig bis zum Jahr 2009. Die Liste vom 9. August, die das Referat "II A 1" den zuständigen Stellen im Haus von Hans Eichel zukommen ließ, würde die größte Sparaktion in der Geschichte der Bundesrepublik vorbereiten. Auf politischer Ebene hat sich daher der Streit verschärft, welche Bedeutung dieser Streichliste zukommt." (Seite 13)

DEUTSCHLAND
Perverse Kartellbrüder
Müller-Interview
Arbeitsmarktpolitik
Zinsquellensteuer
Wirtschaftspolitik
Gas- und Strommarkt
Automobilindustrie
Finanzministerkandidaten
Rentenpolitik
Phantomliste
EUROPA
Steuerreform
Erfreuliche Pleite
Öl- und Benzinpreise
WELT
UN-Gipfel
Reichtum der Nationen
WTO-Handelsrunde
Rohstoffpreise
Zinsniveau
EUROPA
Steuerreform

(faz) "Die französische Regierung hat erstmals Details zu ihrer geplanten Reform der Einkommensteuer veröffentlicht. Danach wird die Belastung für mittlere, aber auch für sehr hohe Einkommen deutlich sinken. Die Zahl der Steuerklassen verringert sich von sieben auf fünf, und der Steuersatz in der höchsten Klasse fällt von 48 auf 40 Prozent. Die Regierung streicht zwar auch den allgemeinen Steuerrabatt von 20 Prozent der Bemessungsgrundlage, von dem alle Einkommen bis 117 900 Euro im Jahr profitierten. Doch weil oberhalb dieser Grenze dieser Rabatt nicht galt, profitieren die Spitzenverdiener künftig kräftig von der Senkung des höchsten Steuersatzes." (Seite 13)
Ein Kommentar rechnet vor, dass sich mit einem Entlastungsvolumen von 3,5 Milliarden Euro die Reform finanziell in Grenzen halte. "Finanzminister Breton hofft auf einen psychologischen Effekt, der Wachstumskräfte freisetzt. Dafür müssen freilich weitere Reformen folgen. Die Sozialsteuer von bis zu elf Prozent der Einkünfte müsste ebenfalls sinken, indem die Sozialausgaben unter Kontrolle gebracht werden." (Seite 13)

Erfreuliche Pleite

(sz) Die Zeitung begrüßt in einem Meinungsbeitrag, dass die griechische Fluggesellschaft Olympic Airlines Beihilfen zurückzahlen muss und damit vor der Pleite stehe. "Das ist eine gute Nachricht für die europäische Luftfahrt. Eine Konsolidierung ist längst überfällig. Noch immer hat nahezu jedes Land in Europa eine eigene Fluggesellschaft. Das alleine wäre nicht schlimm. Doch es gibt zu viele Unternehmen in der Branche, die ohne staatliche Hilfe gar nicht leben können. (...) Es ist lobenswert, dass die EU-Kommission schon seit einiger Zeit strenger über die europäische Luftfahrt wacht. Sie greift härter ein, wenn marode Firmen zu Lasten finanzstarker mit staatlicher Hilfe aufgeputzt werden." (Seite 19)

Öl- und Benzinpreise

(faz) "Die einen stecken im Wahlkampf, die anderen haben chronischen Profilierungsbedarf. Angesichts der hohen Ölpreise sehen sich derzeit überall in der Europäischen Union Politiker bemüßigt, 'entschlossene Maßnahmen' anzukündigen. Einig sind sie sich im Ziel, die Benzinpreise zu senken. Nicht einig sind sie sich in der Wahl der Instrumente. Während aus verschiedenen Ländern Forderungen nach einer 'Sondersteuer' für 'preistreibende' Ölkonzerne kommen, wollen andere Staaten die Verbraucher durch Steuersenkungen entlasten. Die Ankündigungen wollen nicht so recht zu der Erklärung passen, die die EU-Finanzminister bei ihrem informellen Treffen am vergangenen Wochenende in Manchester einstimmig verabschiedet haben. Darin heißt es, dass alle 'verzerrenden' staatlichen Interventionen, die 'notwendige Anpassungen verhinderten', vermieden werden sollten" (Seite 16, siehe auch Presseschau vom 14. September 2005).
(sz) "Die Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hat die Ölkonzerne scharf angegriffen. Wie sie der 'Süddeutschen Zeitung' sagte, hätten die Unternehmen die Entwicklungen der Zukunft verpasst. 'Die Konzerne klammern sich viel zu sehr an alte Strukturen', sagte Künast. Angesichts der steigenden Benzinpreise müssten die Firmen den herkömmlichen Treibstoffen viel mehr Biokraftstoffe beimengen. 'Damit ließe sich der Benzinpreis um ein paar Cent senken', sagte sie und verwies darauf, dass diese Kraftstoffe billiger seien, weil keine Steuern fällig würden."

DEUTSCHLAND
Perverse Kartellbrüder
Müller-Interview
Arbeitsmarktpolitik
Zinsquellensteuer
Wirtschaftspolitik
Gas- und Strommarkt
Automobilindustrie
Finanzministerkandidaten
Rentenpolitik
Phantomliste
EUROPA
Steuerreform
Erfreuliche Pleite
Öl- und Benzinpreise
WELT
UN-Gipfel
Reichtum der Nationen
WTO-Handelsrunde
Rohstoffpreise
Zinsniveau
WELT
UN-Gipfel
Auf dem UN-Gipfel in New York wurden keine neuen Ergebnisse auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe erzielt. Mit Mühe konnten die so genanten Millenniumsziele "bekräftigt" werden.

(faz)   Jeffrey Sachs, Direktor des UN-Millenniums-Projekts, kritisiert in einem Interview die ablehende Haltung der USA, sich zur weltweiten Minderung von Armut zu bekennen. "Diese Administration lebt in dem Irrglauben, dass internationale Verträge die allmächtigen USA daran hindern, das zu tun, was sie tun müssen. Was für ein dramatisches Missverständnis! Die USA haben noch nicht einmal die Macht, ihren Willen auf ein paar Quadratkilometern in Bagdad durchzusetzen. Die USA brauchen eine globale Partnerschaft. Aber das wollen die Neokonservativen nicht verstehen. Außerdem hat die US-Gesellschaft große Angst vor den Armen - bis tief hinein in die arbeitenden Schichten. Man will sich nicht mit den Problemen der Armen beschäftigen, weil man fürchtet, das könnte am Ende den eigenen Wohlstand überfordern."
(faz) "Die Schlusserklärung bekräftigt die vor fünf Jahren vereinbarten Millenniumsziele, wonach Armut weltweit bis zum Jahr 2015 halbiert werden soll. Allerdings wollten sich die reichen Länder nicht auf konkrete Vorgaben für die Entwicklungshilfe festlegen. Der scheidende Präsident der UN-Vollversammlung, Jean Ping, kritisierte die Industriestaaten. Sie seien nicht zu einer massiven Unterstützung Afrikas nach dem Vorbild des Marshall-Plans für den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg bereit gewesen, sagte der Politiker aus Gabun." (Seite 1)
Ein Hintergrundbeitrag auf der Seite sechs beschreibt kurz die wichtigstebn Reformthemen auf dem UN-Gipfel in New York.
Eine Analyse erklärt, warum "Armut mit klassischer Entwicklungshilfe nicht zu besiegen ist". "Fünf Jahre nach der Millenniumserklärung ist eines hinreichend deutlich geworden: Weder die Geberländer noch die Regierungen der Empfängerländer kämpfen mit ausreichendem Ernst gegen das Elend. Es ist vielmehr häufig eine stille Allianz der Blender zu beobachten - die einen tun so, als würden sie helfen, die anderen tun so, als würden sie sich entwickeln." (Seite 6)
Auf der Seite sieben dann ein Positiv-Beispiel: "Botswana hat sich dank seiner Bodenschätze und einer klugen Verteilungspolitik selbst auf die Beine geholfen - ohne Zuschüsse der UN", konstatiert ein Bericht (siehe auch Presseschau vom 11. Juli 2005).

(fr)   Die Zeitung berichtet von einer neuen "Hungerkatastrophe im Sudan, die "Geber und Spender relativ kalt" lasse. "Während in New York der 'Anti-Armuts-Gipfel' um einzelne Formulierungen ringt, steht das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) derzeit in Afrika vor erheblichen Problemen. Geberländer reagieren nicht mehr auf Appelle zur finanziellen Unterstützung, im Sudan fehlt der Sprit für Hilfsgüter-Transporte und im Niger sterben trotz der Aktivitäten der UN-Leute täglich Dutzende von Kindern an Unterernährung. Dies wirft zumindest die Hilfsorganisation 'Ärzte ohne Grenzen' (MSF) dem UN-Programm vor."

Reichtum der Nationen

(taz)   "In einer neuen Studie erkennen die Weltbank-Experten an, dass der Erhalt natürlicher Ressourcen und soziales Kapital entscheidend für den Wohlstand eines Landes sind", freut sich die taz. "Unter dem Titel 'Wo ist der Reichtum der Nationen?', der auf Adam Smiths ökonomisches Grundsatzwerk 'Reichtum der Nationen' von 1776 anspielt, fragt sich die Weltbank, was im Kern den Wohlstand eines Landes ausmacht. Die Antwort: Der Reichtum steckt nicht nur in Banken und Fabriken, sondern auch in Böden, Wäldern und Meeren und in den Menschen selbst."

WTO-Handelsrunde

(faz) Der neue Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO), Pascal Lamy, wolle in den nächsten drei Monaten die lahmende Doha-Runde beschleunigen, damit die Ministerkonferenz im Dezember in Hongkong doch noch ein substantielles Ergebnis erziele. Lamy habe dem Lenkungsgremium der vor vier Jahren gestarteten Doha-Runde einen Zeitplan unterbreitet und die Staaten aufgefordert, möglichst bald wichtige Parameter festzulegen. Dazu zähle für ihn das Datum, an dem Agrar-Exporthilfen auslaufen. (Seite 16)
Rohstoffpreise

(faz) "Nicht nur der Ölpreis, auch die meisten anderen Rohstoffe haben in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt - und Experten glauben an eine Fortsetzung der Kursgewinne. Zwei Faktoren treiben die Rohstoffpreise derzeit: die starke Nachfrage und die Versäumnisse vergangener Jahre. Die gestiegene Nachfrage resultiert Experten zufolge vor allem aus dem Wachstum der chinesischen Wirtschaft." Hinzu kämen Engpässe in einigen Branchen, weil in den neunziger Jahren wegen niedriger Preise nicht ausreichend in die Infrastruktur investiert worden war. (Seite 23)

Zinsniveau

(faz) "Die ungewöhnlich niedrigen Zinsen an den internationalen Kapitalmärkten sind nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht das Ergebnis eines globalen Überschusses an Sparvermögen. Vielmehr seien die Unternehmen in vielen Ländern noch immer darum bemüht, ihre Bilanzen durch eine Verringerung der Verbindlichkeiten zu verbessern. Die Folge sei eine spürbar geringere Investitionstätigkeit, als dies während früherer Konjunkturaufschwünge der Fall gewesen ist. Diese Erklärung bietet der IWF in seinem neuen Weltwirtschaftsbericht für das Phänomen an, das der Chairman der amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan, als 'rätselhaft' bezeichnet hat." (Seite 25)
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